Die Wunde des Mannes
und wie sie heilt …
Die Wunde des Mannes ist in der heutigen Zeit – in all ihrer Tiefe – eine Identitätswunde. Eine stille, oft gut „funktionierende“, nach außen hin kaum sichtbare Wunde – keine die Mitleid – gar Mitgefühl – nach sich ziehen würde. Es ist tatsächlich eine Wunde, die nicht blutet, sondern zieht … wie ein vergessener Muskel, der schon lange zerrt, der dabei nie richtig heilen durfte und sich nun bemerkbar macht.
Als Archetyp für den Mann, dem diese Verwundung bewusst wird, fällt mir der „Verwundete König“ ein. Dieser König ist nicht gebrochen – sondern ein Mann, der spürt, dass seine alte Krone nicht mehr passt und die neue noch nicht ganz gewachsen ist – nicht „erwachsen“ ist.
Der Verwundete König ist kein Herrscher über „Andere“ mehr, das spürt er. Er ist ein Herrscher über ein Reich, das er lange nicht betreten hat: sein Inneres. Er trägt eine Wunde, die nicht sichtbar ist, aber alles durchdringt: Es ist die Wunde seiner verloren gegangenen Lebensmitte, seiner früheren Lebensaufgabe von überdehnter Stärke, von verschobener Würde.
Er ist ein König, der zu lange im Dienst stand, zu lange gehalten und dabei zu lange geschwiegen hat … Uud jetzt beginnt er sich zu erinnern, wer er war, bevor man ihm sagte, wer er sein soll.
In ihm entsteht eine Affirmation:
„ICH BIN STARK.
Ich bin nicht stark, weil ich muss. Ich bin stark, weil ich wieder ganz (ich) bin.“.
Er wird wieder ganz … er ist wieder ganz.
Die neue Ganzheit ist auch in der Begegnung mit dem weiblichen Anteil in sich begründet und in Folge in der Begegnung mit der Neuen Königin, der Frau der Neuen Zeit. Diese Begegnung ist ein kosmischer Moment, in dem zwei Archetypen sich erinnern, warum sie überhaupt existieren. Ein Moment, der nicht laut ist, sondern beinahe schicksalhaft still. Ein Moment, der die Neue Zeit, an deren Beginn wir stehen, erst möglich macht.
Sie treffen einander nicht auf einem Thron, nicht in einem Palast, nicht in einer Geschichte, schon gar nicht in einer der allgegenwärtigen, digitalen Scheinwelten. Sie treffen einander an einer Schwelle, die nur jene sehen, die bereit sind, sich selbst zu erkennen.
Der König kommt aus der Tiefe seiner Wunde, als Mann.
Die Königin kommt aus der Höhe ihrer Erinnerung, als Frau.
So werden sich der Neue Mann und die Neue Frau auch erkennen. Sie werden einander gegenüberstehen und wissen, wer der/die „Andere“ IST. Er, der stark und in Verbindung mit seiner Seele ist und sie, die der Ursprung von allem ist.
Schwingen die Beiden in einer Frequenz … dort, wo Tiefe und Höhe sich berühren, entsteht ein Raum, erfüllt von einer Energie, die nicht von dieser, alten Welt ist, sondern Teil der Neuen Zeit. Aus dieser Energie entsteht kein Kind, kein Werk, kein Projekt – kein Bindeglied, wie wir es bisher definiert haben. Es entsteht ein Bewusstseinsraum, in dem beide ihre Essenz leben können, ohne sich zu verlieren – individuell und in einer neuen Form von Gemeinsam – sinnlich körperlich wie geistig.
Besitzdenken gehört der Vergangenheit an. Es ist ein Leben in Freiheit, jede/r für sich und doch als Einheit.
Die Wunde des Mannes heilt im Ausgleich mit der Frau, die sich selbst als Solche erkennt – auf Augenhöhe. Keine/r ohne den Anderen – das ahnen wir seit Anbeginn der Zeit … nun können wir es wahrhaft leben, in neuer (Zeit)Qualität.
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