Alkohol – keine Lebensquelle
Nachdem ich in den letzten Wochen berufsbedingt tief in die Welt der Gastronomie eintauche, wird mir noch bewusster, wie sehr der Alkohol Teil unserer Gesellschaft ist … und als energetisch arbeitender und wirkender Mensch, der inzwischen so gut wie keinen Alkohol mehr trinkt, spüre ich das umso mehr.
Grund genug, bei diesem Thema unter die Oberfläche zu blicken … in die Abgründe hinein, möglichst nicht von oben herab … ohne mit dem Finger zu zeigen, aber doch aufzuzeigen … denn auch ich musste bei diesem (Tabu)Thema erst meine eigenen Erfahrungen machen und lernen, dazu zu stehen!
Grundlage
Die wissenschaftlichen Erkenntnisse sind mehr als klar. Alkohol ist eine psychoaktive und toxische Substanz, die praktisch jedes Organ und System des Körpers beeinflusst. Die WHO weist darauf hin, dass Alkohol bereits in geringen Mengen gesundheitliche Risiken birgt und als krebserregende Substanz der höchsten Kategorie eingestuft wird.
Wie in all meinen Fachartikeln möchte ich dabei mehrere Ebenen beleuchten, auf unsere Intentionen eingehen, Alkohol zu trinken und aufzeigen, wie ich persönlich gelernt habe, mit dieser allgegenwärtigen DROGE umzugehen (aktuell im Spannungsfeld zwischen meiner Berufung, die mit dem Wohlbefinden des Menschen zu tun hat und der Aufgabe, Alkohol auszuschenken).
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Die körperliche Ebene
Das Nervensystem und Gehirn
Schon nach kurzer Zeit gelangt Alkohol über das Blut ins Gehirn. Dort verlangsamt er die Signalübertragung zwischen unseren Nervenzellen.
Die Folgen sind:
• verminderte Konzentration
• nachlassende Urteilsfähigkeit
• verlangsamte Reaktionen
• geringere Selbstkontrolle
• eingeschränkte Koordination
Langfristig kann starker Alkoholkonsum die Struktur und Funktion des Gehirns verändern. Gedächtnis, emotionale Stabilität und Entscheidungsfähigkeit können darunter leiden.
Wichtig ist dabei: Alkohol erweitert NICHT das Bewusstsein. Er senkt lediglich die Kontrollfunktionen des Gehirns. Viele Menschen erleben das als „Freiheit“, da neurologisch kurzfristig Hemmungen und Kontrollmechanismen abgeschwächt werden. Von dieser scheinbaren Freiheit bleibt am nächsten Tag dann nichts zurück. Mann fällt in das berühmt-berüchtigte, dunkle Loch (und die Kopfschmerzen kommen dazu).
Leber, Darm und Stoffwechsel
Die Leber versucht Alkohol als Giftstoff abzubauen. Dabei entstehen Zwischenprodukte wie Acetaldehyd, die selbst gesundheitsschädlich sind. Alkohol belastet zudem:
• Leber
• Bauchspeicheldrüse
• Darmflora
• Herz-Kreislauf-System
• das Immunsystem
Langfristig steigt das Risiko für eine Reihe von Erkrankungen deutlich an, die man auf den ersten Blick gar nicht mit dem Alkoholkonsum in Zusammenhang bringen würde, zum Beispiel chronische Darmprobleme oder Demenz.
Krebsrisiko
Studien belegen sehr deutlich: Es gibt KEINEN nachgewiesenen, risikofreien Alkoholkonsum … und damit auch nicht der z.B. in Österreich so zelebrierte, abendliche Sommerspritzer als Nervennahrung nach Dienstschluss.
Alkohol erhöht das Risiko für mindestens sieben Krebsarten, darunter Brust-, Darm-, Leber-, Mund-, Rachen- und Speiseröhrenkrebs. Das Risiko beginnt nicht erst bei Missbrauch, sondern steigt grundsätzlich mit jeder konsumierten Menge an.

Die psychologische Ebene
Alkohol wird selten wegen seines Geschmacks konsumiert (denn der ist einfach grauslich, wenn er nicht mit Zucker gesüsst wird … aus gesundheitlicher Sicht ein Kapitel für sich), sondern vor allem wegen seiner Wirkung, um:
• Spannungen zu lösen
• Sorgen zu vergessen
• Unsicherheit zu überdecken
• Gefühle zu betäuben
• Leider auch: Zugehörigkeit zu spüren
• Kontakte zu erleichtern
Viele Menschen trinken weniger aus Genuss als aus dem Wunsch, etwas nicht fühlen zu müssen. Man kann klar sagen: Alkohol nimmt nicht den Schmerz weg. Er senkt vorübergehend die Wahrnehmung dafür … doch Sorgen schwimmen immer oben, auch auf Alkohol.
Doch was betäubt wird, verschwindet nicht. Es wartet geduldig auf seine Rückkehr … und diese Rückkehr geschieht – zu 100%. In der psychologischen Forschung wird Alkohol deshalb häufig mit Vermeidungsstrategien und Emotionsregulation in Verbindung gebracht.
Die spirituelle Ebene
Nun betreten wir den Erfahrungsraum vieler spiritueller Traditionen. Ob buddhistische Mönche, Sufis, Yogis oder christliche Mystiker: In nahezu allen Bewusstseinsschulen wird Klarheit des Geistes als Voraussetzung innerer Entwicklung betrachtet.
Aus dieser Sicht verändert Alkohol nicht nur die Wahrnehmung. Er verschleiert sie. Der Mensch fühlt sich häufig freier, weil der innere Zensor leiser wird. Gleichzeitig sinkt jedoch die Präsenz, die Achtsamkeit und die bewusste Selbstwahrnehmung.
Alkohol schenkt keine Bewusstseinserweiterung. Er bewirkt Bewusstseinsunterbrechung, mit dauerhaftem Konsum immer nachhaltiger.
Die energetische Ebene
Für den Energiekörper existieren naturgemäß keine wissenschaftlich messbaren Nachweise. Hier bewegen wir uns im Bereich spiritueller Erfahrungen und Traditionen.
Viele Menschen berichten nach Alkoholkonsum von:
• einem Verlust innerer Zentrierung
• geringerer Selbstwahrnehmung
• verminderter Sensibilität
• schwächerer Verbindung zur Intuition
• energetischer Schwere am Folgetag
• Schrittweiser Verlust jedes Selbstvertrauens.
In zahlreichen schamanischen, yogischen und energetischen Traditionen gilt Alkohol deshalb als Stoff, der das Energiefeld verdichtet und die Wahrnehmung der feinen, höheren Ebenen reduziert. Ob man dies als Aura, Energiefluss, Qi oder Lebensenergie bezeichnet, spielt dabei keine Rolle.
Die Erfahrung ähnelt sich: Je mehr Alkohol, desto geringer die innere Feinfühligkeit. Dazu kommt: das durch Alkohol beeinträchtigte Energiefeld spüren auch andere Menschen – vor allem die „Nüchternen“. Es spürt sich einfach „nicht gut“ an.

Exkurs: Alkohol in „Spirituellen Traditionen“
Ja, dieses Thema verdient einen besonders besonnnen Blick, weil es oft ein Tabuthema ist. Ich habe in den letzten Jahren beobachtet, dass Alkohol in manchen spirituellen Kreisen eine Art Sonderstatus erhält. Nicht offen als Rauschmittel, sondern subtil als „Unterstützer“ spiritueller Erfahrungen. Genau hier beginnt für mich – bei unbewusster Handhabe – eine Grauzone.
Die Verwechslung von erhöhter Empfindung und erhöhter Bewusstheit
Menschen berichten nach einem Glas Wein oder anderen alkoholischen Getränken häufig von:
• tieferen Meditationen
• intensiveren Gefühlen
• größerer Offenheit
• stärkerer Verbundenheit
• leichterem Zugang zu Tränen, Liebe oder Dankbarkeit
Die Schlussfolgerung lautet dann oft: „Der Alkohol hat meine Spiritualität vertieft.“ … und ja: Spiritus und Spiritualität haben sogar den gleichen Wortstamm!
Meist hat der Alkohol ob seiner bereits beschriebenen Wirkung jedoch etwas ganz anderes getan: Er hat unsere inneren Filter abgeschwächt. Psychologisch und neurologisch gesehen senkt Alkohol Hemmungen und verändert die Selbstkontrolle. Gefühle können dadurch unmittelbarer erscheinen, ohne dass das Bewusstsein tatsächlich klarer wird. Im Gegenteil, Alkohol beeinträchtigt Gedächtnis, Urteilsvermögen und kognitive Funktionen.
Nicht jede geöffnete Schleuse führt zu einem tieferen Fluss. Manchmal wird lediglich das Tor zum inneren Stausee geöffnet, der sich immer weiter füllt und nicht abfliessen kann.
Die Spiritualisierung eines Genussmittels
Besonders kritisch wird es dort, wo Alkohol mit spirituellen Begriffen aufgeladen wird.
Zum Beispiel:
• „Der Wein lockert nicht nur die Zunge, er öffnet das Herz.“
• „Ein Glas Wein unterstützt die Meditation.“
• „Dadurch komme ich leichter in meine Energie.“
• „Es erleichtert den Zugang zu höheren Ebenen.“
Dadurch erhält Alkohol eine Legitimation, die weit über seinen eigentlichen Charakter hinausgeht. Das Problem dabei ist: Wer glaubt, eine spirituelle Erfahrung sei nur mit Hilfe einer Substanz erreichbar, verlagert jene Kraft nach außen, die es im Inneren braucht.
Die Erfahrung gehört dann nicht mehr dem eigenen Bewusstsein. Sie wird an ein Mittel gekoppelt und verliert seine Authentizität und damit an Wirkung.

Die Frage nach der Intention
Ja, klar – trinkt man Alkohol nicht, um sich zu betäuben, sondern als bewusst dosiertes Genussmittel, zum Beispiel zu einem passenden Essen, als Begleitung eines inspirierenden Gespräches oder als Dankesgabe nach einem Ritual (auch ich habe biologisch produzierten Met in kleinen Mengen bei Natur-Ritualen dabei, um den Spirits und Elementen der Natur zu danken), ist die Wirkung definitiv eine Andere und man denkt auch am nächsten Tag mit Freude daran zurück …
… doch sind wir uns ehrlich: Wie oft ist es tatsächlich diese Intention? … wie oft ist es viel mehr Gewohnheit („Hast du auch was Alkoholfreies?“, diese Frage wurde mir nicht erst einmal gestellt), Gemeinschaftsgefühl, „Stressabbau“, „Zur Ruhe kommen“ und das Vergessen-Wollen?
Frage dich: „Warum trinke ich JETZT Alkohol?“
Frage dich: „Was suche ich in diesem Glas (bzw. in der Flasche)?“
Frage dich: „Was möchte ich dabei fühlen?
… Frage dich: „Braucht es dafür diesen Stoff, der – unbewusst und unkontrolliert konsumiert – so viel anrichten kann oder gibt es dafür Alternativen?“
Genuss und Flucht sehen äußerlich oft gleich aus. Innerlich sind sie völlig verschieden. Erkenne diesen essenziellen Unterschied.
Der Schlüssel
Alkohol ist definitiv keine Lebensquelle. Er nährt weder den Körper noch erweitert er das Bewusstsein. Und doch kann er zu einem wertvollen Spiegel werden (den man dabei nicht trinken muss). Denn die Art, wie wir ihm begegnen, erzählt oft mehr über unsere Sehnsüchte als über das Getränk selbst. Vielleicht beginnt die eigentliche Frage deshalb nicht beim Alkohol, sondern bei uns:
Was möchte in mir gesehen, gefühlt oder gelebt werden, dass ich im Glas zu finden hoffe?
… und sei dir bewusst: Es gibt wunderbare Alternativen abseits der Welt der Suchtmittel.

Ein Ausblick
Es gibt einen wunderbaren Grundsatz, den ich ins Bewusstsein rufen möchte:
Genuß ist natürlich nicht verboten, doch Klarheit ist kostbar(er) … und in Folge der ultimative Genuß, in neuer Definition.
Der Buddhismus spricht zum Beispiel von Achtsamkeit. Der Yoga von Bewusstheit. Die christliche Mystik von Nüchternheit des Geistes.
Die gemeinsame Botschaft lautet: Wahre Erkenntnis entsteht nicht durch Verdunkelung der Wahrnehmung, sondern durch ihre Verfeinerung … und dieser ist der Alkohol definitiv im Weg!
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Mein persönlicher Weg
Meine Arbeit in der Gastronomie hat mir einen Spiegel vorgehalten. Ich habe – mit ganz wenigen Ausnahmen – aufgehört, Alkohol zu trinken (andere Suchtmittel sind schon lange kein Thema mehr bei mir) und ich geniesse das sehr … diese vollkommene Klarheit, in neuer Freude, in verbesserter Gesundheit. Auch habe ich bemerkt, wie sehr der Alkohol meine Unverträglichkeiten – auf allen Ebenen – verstärkt hat … ebenfalls sehr lehrreich.
Natürlich gilt es nun, Grenzen zu setzen, mich in meinem Wirken in der Gastronomie selbst zu schützen … doch ich habe bemerkt: auch deswegen lebe ich wohl schon viele Jahre bewusster, habe Techniken erlernt und verfeinert, um mit all den Situationen umgehen zu können, die mir immer wieder neue Aufgaben stellen … vor allem bei diesem Thema kein Moralapostel zu sein und doch klar zu meinen eigenen Absichten zu stehen.
Meine eigenen Werkzeuge, um „über den Tellerrand zu blicken“ und mich damit permanent weiterzuentwickeln, ist vor allem der Klang, der Duft, die Kontemplation, die bewusste Einbeziehung der Kundalini-Energie … in ganzheitlichem Wohlbefinden … meine Lebensquellen, pur …
… und ich habe es trotzdem und auch deswegen oft sehr, sehr lustig in meinem Leben und geniesse das vollkommen ohne Filter!
… und ich kann dir ganz wunderbare und geschmackvolle Getränke ohne Alkohol zaubern!
… und bevor ich es vergesse:
„Venus und Bacchus sind gerne beisammen, wie das Sprichwort sagt. Bei mir ist Venus munterer, wenn sie von der Nüchternheit begleitet ist“. – Michel de Montaigne
Ende und Anfang
Eine Lebensquelle stärkt unsere Verbindung zum Leben. Alkohol hingegen wirkt in die entgegengesetzte Richtung: Er schwächt Wahrnehmung, Präsenz und Bewusstheit.
… und doch zeigt er uns auch, wo wir die eigentlichen Quellen unseres Lebens noch nicht gefunden haben. Doch haben wir sie gefunden, darf er gerne gehen.
Deine Erfahrungen … und unser Austausch gerne: wolfgang@lebensquellen.net
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Bilder: Pixabay (Danke allen Fotografen/innen)





